Performance 2015-2005

The Power of the Magic 2012

In der Performance „Die Macht der Magie“ greife ich auf drei Gegebenheiten zurück. Zum einen auf meine kindlichen Erfahrungen, in denen ich stundenlang im Sandkasten Bilder mit den Fingern in den Sand gezeichnet habe und so ganze Welten entstehen ließ. In der
nicht abreißenden Konzentration fand ich mich wieder in einer Art von Meditation. Zum anderen bin ich bei weiteren Recherchen auf die Rituale der traditionellen Sandbilder der Navajo-Indianer gestoßen, die in den Sand Berge, Blitze, heilige Pflanzen und heilige Wesen zeichnen. Mit Gesängen und Gebeten entsteht auf dem Boden ein Sandbild, in das sich ein Kranker setzt, das ihm nach dem Glauben der Navajo-Indianer die Kraft zur Heilung schenkt. Vor Sonnenuntergang wird das Sandbild mit einer heiligen Feder zerstört und der Patient ist geheilt, so die Überlieferung. Dieses Ritual wird ausschließlich von Medizinmännern ausgeführt.

Eine ähnliche Form finden wir außerdem bei den tibetischen Mönchen und auch hier ist das Ritual mit tiefen religiösen Überzeugungen verbunden. Dazu muss man wissen, dass die teils tagelange Arbeit nicht für die Ewigkeit gedacht und die Zerstörung nach der Fertigstellung eng gekoppelt ist mit dem tibetischen Buddhismus.

Ich bin keine Medizinfrau, aber ich möchte als Künstlerin auf die Vergänglichkeit hinweisen und meine Fokussierung auf diesen Prozess lenken.

In dieser Performance schreibe ich mit meinen Fingern-Pinsel Wörter in den feinen ausgestreuten Sand. Jedes Wort bekommt innerhalb eines quadratischen Musters seinen Platz. Folgende Wörter habe ich ausgewählt aus dem christlich-jüdischen Moralkontext: Wärme, Hochmut, Eitelkeit, Stolz, Übermut, Geiz, Habgier, Wollust, Ausschweifung, Genusssucht, Zorn, Rachsucht, Vergeltung, Völlerei, Gefräßigkeit, Maßlosigkeit, Selbstsucht, Neid, Eifersucht, Missgunst, Faulheit, Feigheit, Ignoranz.

Meine Frage ist nun an das Publikum gerichtet, ob diese traditionellen christlichen Moralbegriffe noch für Sie eine Rolle spielen. Wenn dem so ist, was ändert das am täglichen Miteinander?
Durch den Prozess der Performance möchte ich gleichzeitig archaischen Religionen näher kommen und diese erlebbar machen.

Englisch

During the performance „The Power of the Magic” I look back to my childhood, where I endlessly finger painted pictures in the sand, creating a complete cosmos for myself alone. Nowadays this seems to me to have been a kind of meditation, and my dedication a forgetting of time and space.

Later I encountered the traditional rituals of the Navajo Indians, who draw mountains, lightning, holy plants and holy natures into the sand. In one ritual the Navajos, accompanied by singing and prayers, created a sand picture of an ailing patient seated on the ground. Before sunset the sand picture was destroyed with a holy feather that was wielded exclusively by the medicine man, and the patient was healed.

A similar ritual can be found with Tibetian monks, and here, too, it is linked with deep religious belief. Here also one must learn that the work of many days is not intended for eternity and that
the destruction after the creation is closely linked with Tibetian Buddhism.

In this performance I will draw with my fingers-brush words in the sand which are spread out on the floor in squares. At the end of the performance every word will have its own space in my pattern on the floor.

Superbi, perpetrator, moral, avaritia, luxuria, ira, gula, acedia, hate, willingness, foolishness, vanity, narcissism, vanitas are the negative expressions, the positive ones are temperance, prudence, courage, justice etc.

I am not a medicine woman, I just want to focus the past as an artist and make it useful it for the future.

For me it is a personal question as well as a request to the audience, if these traditional Christian statements and values are still important to them in their lives. And if so, what does that mean for them in everyday life. On the other hand I intend to bring the archaic religious belief of Buddhism and nature more visible and tactile towards the audience and myself.

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