IRIS SELKE

26. August 2010

Artist performing Video start

Filed under: — iris @ 20:49

„Artist Performing“ 2009

In der Performance werde ich mit einer undurchsichtigen Plastiktüte über meinem Kopf eine Fotoarbeit aus der Serie „Reconstruction of History“ an die Wand des Austellungsraumes hängen, an der sich bereits weitere Arbeiten aus der genannten Serie befinden. Der für das noch fehlende Bild vorgesehene Nagel steckt bereits in der Wand. Dieser Vorgang dauert ca. 15 min. Dann verlasse ich den Ausstellungsraum. Am Ende der Performance werden somit vier Fotoarbeiten zum Thema „Reconstruction of History“ zu sehen sein.

Warum eine Performance und nicht nur eine Ausstellung?
Warum dieses Bild und kein anderes aus der Serie?
Warum die Aufhängung mit verhülltem Kopf?

Diese Fragen stehen im Zentrum dieser Ausstellung und stellen eine konsequente Weiterführung meiner künstlerischen Auseinandersetzung mit Kunst im kunsthistorischen Kontext in dieser Fotoserie dar. Die Ausstellung darüber hinaus zu inszenieren, sie selbst als Performance zu betrachten, dem Besucher nicht nur das fertige Produkt zu präsentieren, sondern ihn am Prozess teilhaben zu lassen und dies in überspitzter Form, zeigt den Gesamtprozess von Kunst in ihrer Entstehung, Manipulierung, Vermarktung, Behauptung und nicht zuletzt in ihrer gesellschaftlichen Verortung heutzutage.

Die Bilder der Serie „Reconstruction of History“ verdeutlichen alle mein Interesse an den zentralen Fragen der Kunst im weitesten Sinne, einschließlich des Kunstmarktes, an denen sich meines Erachtens nichts grundlegendes verändert hat. Kunst entsteht immer in einer temporären gesellschaftlichen Abhängigkeit. Die vermeintliche Freiheit der Kunst ist eine Utopie.

Diese Abhängigkeit sollen die Performance und die Ausstellung verdeutlichen. Die Abhängigkeit des Künstlers von der Bildfindung – gesellschaftlich determiniert, die Abhängigkeit des Besuchers vom Künstler, der ihm die Betrachtung überhaupt erst ermöglicht, die Abhängigkeit des Besuchers von einem Galeristen oder Kurator, der ihm vorgibt, was Kunst derzeit sei, die Abhängigkeit des Künstlers von eben diesem Ausstellungsmacher, seine Kunst präsentieren zu dürfen, die Abhängigkeit des Ausstellungsmachers vom Künstler, der ihm seine Werke zur Verfügung stellt, die Abhängigkeit …
Abhängigkeit ist per se nicht immer gleich negativ, sondern beinhaltet auch bequeme Momente und bietet Sicherheit. Auch diesen Aspekt soll die Performance verdeutlichen.

In diesem Sinne mögen sich alle Beteiligten dieser Ausstellung bei der Beantwortung der oben genannten und aller weiteren Fragen auf den Nagel an der Wand konzentrieren.

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